Neues Forschungsprojekt zur Rückkehr des Wolfs nach Deutschland

The Return of the Wolf to Germany: mapping extraordinary affective encounters

gefördert von der Volkswagen-Stiftung im Rahmen der Initiative ‚Originalitätsverdacht? – Neue Optionen für die Geistes- und Kulturwissenschaften‘,

Oktober 2019 – September 2020

Seit etwa 20 Jahren kehren die Wölfe nach Deutschland zurück, wo sie seit dem 19. Jahrhundert ausgestorben waren. Obwohl Begegnungen noch selten sind, geschehen sie – wie Hunderte von Sichtungsberichten belegen. Interessanterweise wissen weder Wölfe noch Menschen nach mehr als 100 Jahren Abwesenheit, wie sie sich in solchen Situationen (wieder) verhalten sollen. Daher stellt dieses Projekt eine grundlegende Frage: Was passiert in diesen außergewöhnlichen affektiven Begegnungen? Konzeptionell werden die einzelnen narrativen Berichte zu dieser Frage organisiert und analysiert, indem sie sich auf Affekte und verwandte Konzepte konzentrieren, von Gefühl und Emotion auf der Mikroebene, über Sentimentalitäten und Emotionsrepertoires auf der Meso-Ebene, bis hin zu affektiven Arrangements auf der Makroebene. Der daraus resultierende Essay wird diese Fragen im Kontext des heutigen Deutschland als affektive Gesellschaft diskutieren, die zunehmend als mehr-als-menschliche Gesellschaft mit der Rückkehr des Wolfes und anderen Prozessen des Rewilding konzipiert werden muss.

For about 20 years now, wolves have been returning to Germany where they had been extinct since the 1800s. Although encounters are still rare they are happening – as evidenced by hundreds of sighting reports. Interestingly, after more than 100 years of absence, neither wolves nor humans know how to (re)act in such situations. Therefore, this project asks a fundamental question: What happens in these extraordinary affective encounters? Conceptually, the individual narrative reports to this question are organized and analyzed by focusing on affects and related concepts from feeling and emotion on a micro-level, to sentiments and emotion repertoires on a meso-level, to affective arrangements on a macro-level. The resulting essay will discuss these issues within the context of contemporary Germany as an affective society that has to be conceived increasingly as a more-than-human society with the return of the wolf and other processes of rewilding.