Eine Unruhe im Gewissen angesichts des Todes II

Auf den Seiten seines Buches sehen wir, daß Graf Yebes mehr als einmal, mit einem wunderbaren Stück Wild im Schußfeld, zögert abzudrücken. Der Gedanke, daß jenes so anmutige Leben ausgelöscht werden soll, kommt für einen Augenblick über ihn. Zum guten Jäger gehört eine Unruhe im Gewissen angesichts des Todes, den er dem bezaubernden Tier bringt.

Was der Philosoph Ortega y Gasset hier in seinen ‚Meditationen über die Jagd‘ ([1944] 1985) schlussfolgert ist Ausgangspunkt für die folgende Beschreibung meiner eigenen Erfahrungen auf dem Weg zum ersten Schuss. Obwohl diese Erfahrungen einmalige Ereignisse darstellen und den individuellen Charakter meiner eigenen Einstellungen tragen, kann man in ihnen auch Themen erkennen, die die meisten Jäger betreffen. Denn die Erfahrungen sind geprägt durch den Rahmen der kulturell akzeptierten ‚waidgerechten‘ Jagdpraktiken, in denen sie entstanden sind.

September 2016. Gestern half ich noch bei den Drückjagdvorbereitungen im Winninger Hinterwald. Nachdem wir mehrere Bäume gefällt und andere Bäume entastet hatten, setzten J., V. und ich uns erschöpft hin und die beiden unterhielten sich über den Gemeinschaftsansitz morgen. „Du kommst auch?“ – Ich: „Mmmh. Ja, klar“. Doch wie immer, war mir Bange und ich wünschte mir, ich hätte eine Ausrede gehabt. Doch das kann ja nicht ewig so gehen. Irgendwann muss ich da durch und es muss passieren.

Heute ist es also soweit, das erste Mal Jagen seit über 2 Wochen, das erste Mal nun nach dem 1.9., Jetzt sind neben Rehböcken und Schmalrehen (einjährige, weibliche Tiere) auch die Ricken (erwachsene, weibliche Tiere) freigegeben. Morgens gehe ich trainieren. Mittags und nachmittags faulenze ich rum (habe ja Urlaub). Liege im Deck Chair auf dem Balkon, döse vor mich hin, surfe wahllos im Internet, und überlege mir kurz noch, ob ich nicht doch eine Ausrede finden könnte… Doch ich überwinde mich, nehme mir den Tag aber nichts mehr vor. Ich will mich konzentrieren auf die Jagd. Und daher gehe ich schon früher hin. Um 16.30 bereite ich mich vor, esse schon mal mein Abendbrot, ziehe mich um, packe meine Sachen in den Rucksack und mache mich fertig. Kurz vor 17.00 gehe ich dann schon, hole Waffe und Munition aus dem Keller und fahre los, obwohl erst um 18.00 Treffpunkt ist.

Es ist heiß, wohl immer noch 30 Grad, und ich komme eine Viertelstunde später schon als Erster am Holzlagerplatz an. Ich setze mich auf einen Baumstamm, der neben im Gras liegt, genieße die schöne Waldluft und das leicht kühlere Klima hier oben und versuche mich auf die Jagd einzustimmen bis die anderen kommen. Eine halbe Stunde später dann taucht als erstes J., dann kurz danach V. auf und setzen sich zu mir auf den Stamm. Nach und nach trudeln noch ca. 10 weitere Jäger ein, sogar D. kommt, mit einer Praktikantin L. von der Uni im Schlepptau. Um kurz nach 18.00 dann geht die Verteilung los und die Jäger machen sich auf zu ihren Ansitzen. J. fragt mich, wo ich hin will und ich meine, entweder zur ersten Leiter, die wir gestern aufgestellt haben oder zur ehemaligen Kirrung von H.. Er lässt mir die Wahl und ich entscheide mich für die Kirrung. Wir wünschen uns noch alle Waidmanns Heil und dann fahre ich auch schon los.

Ich stelle meinen Lada am Feldrand ab, da ich mal probieren möchte, ob es einen Unterschied macht, wenn ich zu nah mit dem Auto an den Ansitz fahre und die Autotür zumache, was irgendwie nicht ohne viel Lärm geht. Also stelle ich ca. 1 km entfernt vom Ansitz das Auto ab und laufe rein in den Wald. Der Weg zur Kirrung ist schon voller trockener Blätter und ich habe nicht den Eindruck besonders leise zu sein, also mache ich schnell und klettere den Ansitz hoch und setze mich in die geschlossene Kanzel an der ehemaligen Kirrung – jetzt nur ein Wildacker (der anscheinend frisch gemäht wurde vor kurzem), von dem ich schon von J. und V. Berichte bekam, dass da immer was los wäre. Schauen wir mal.

Ich teste meine Waffe, stelle Vergrößerung ein, geladen hatte ich sie schon am Auto, lege sie probehalber auf dem Fensterrahmen auf und schaue mir die Wiese genau an. Da ist eine Salzlecke am linken oberen Rand, ganz links war die Kirrung (ein Mahlbaum ist noch zu sehen), rechts ging es runter zu Sauenschlafplätzen, ein zwei Löcher im Gebüsch sind auch zu sehen, vielleicht Wechsel auf die Wiese. Ich sitze also und warte, schaue aufmerksam auf die Wiese, vor allem in Richtung Salzlecke, ab und zu auch immer wieder hinter mich in den Wald hinein, von wo ich immer wieder Geräusche höre (wahrscheinlich Vögel in den Blättern und Bucheckern, die auf den Waldboden fallen). Die Zeit vergeht, mein Rücken ist leicht verspannt, ich versuche meine Sitzposition immer wieder zu wechseln, mich mal abzustützen, drehe mich hierhin, dorthin und ein Teil von mir glaubt schon nicht mehr daran (hofft?), dass nichts mehr kommt. Und dann sind da natürlich noch die nervigen Schnaken, die mich stechen wollen, oder auch die ein oder andere Wespe, die laut in und um die Kanzel herumschwirrt. Ansonsten schaue ich immer noch aufmerksam weiter und lausche in den Wald hinter mir.

Nach ca. 1,5 Stunden dann, so kurz vor 20.00 Uhr, höre ich dann mehrere lautere Geräusche von vorne, am hinteren Ende der Wiese. Ich denke mir, das könnte Wild sein, auf der anderen Seite ist es recht laut und unvorsichtig, vielleicht doch nichts. Doch dann plötzlich eine Bewegung am rechten hinteren Ende. Da steht was, ein Reh. Meine Routine beginnt.  Ich greife vorsichtig nach meinem Gehörschutz, ziehe ihn auf und beobachte währenddessen weiter. Jetzt wird es doch ernst, denke ich mir. Ich werde nervös, merke meine angespannte Atmung. Ich nehme die Büchse und lege sie leise auf, schaue durch das Glas. Kein Bock, ein Reh, ein Schmalreh vielleicht, sieht zumindest eher schmal aus, außerdem geht es etwas zu fahrlässig auf der Wiese. Ich schalte den Leuchtpunkt an und folge dem Reh. Es steht frontal zu mir gewandt und äst, muss abwarten und mein Herz beginnt zu rasen. Ich kann das nicht, schießt es durch meinen Kopf während der Leuchtpunkt noch recht wacklig dem Rehkörper folgt. Das kann ich doch nicht bringen. Ich bin zu weich für so was. Das Reh dreht seine Seite zu mir. Steht es gut so? wie es soll? Ich kann es nicht richtig sehen, es dämmert schon und ich traue meinen Augen nicht ganz, folge dem Reh aber weiter mit heftig schlagendem Herz. Es äst unbekümmert vor sich hin und steht wieder breit. Der Leuchtpunkt wandert minimal auf dem Torso und mein Finger ist nahe am Abzug. Aber ich kann das doch nicht. Nur eine kleine Fingerbewegung, dann würde ich…oder…in einem Bruchteil einer Sekunde entscheide ich mich, ich sehe nur den Leuchtpunkt auf dem Schulterblatt, das helle Mündungsfeuer und es knallt und ich erschrecke mich – von dem Knall oder meiner plötzlichen Entscheidung weiß ich nicht.

Ich vergesse ganz ‚durch das Feuer‘ zu sehen, suche also nach meinem kurzen Schreck schnell das Reh. Es liegt, im Schuss, zappelt wild mit den Beinen. Ich hab es getroffen, war mir erst nicht sicher. Hab ich es tödlich getroffen? Ich lade nach, bereit für einen zweiten Schuss. Das zappeln hört auf, es zuckt noch…dann keine Bewegung mehr. Gut, abwarten, eine Viertelstunde. Ich ziehe den Gehörschutz ab, atme durch, spüre die Anspannung in meinem Körper. Die ging nicht weg mit dem Schuss, ist noch da, ganz deutlich. Nur der unmittelbare Handlungsdruck ist weg, jetzt ist erst einmal abwarten angesagt, also wieder durchatmen und mit dem Fernglas beobachten. Es liegt still, keine Bewegung. Simuliert es nur? Glaube nicht. Wenn es nicht gleich tot war, wird es jetzt wohl gerade verbluten, also warten, nicht dass ich hingehe und es schreckt auf und kann noch flüchten (so wie letztes Jahr der Bock, den D. geschossen hatte). Ich kann noch gar nicht glauben, was passiert ist. Bin noch zu involviert, drin in der Handlung als dass ich jetzt schon darüber reflektieren könnte. Muss ganz bei der Sache sein, möchte ja keinen Fehler machen. Es ist nicht noch nicht vorbei.

Sind es schon 15 Minuten, oder nur 10? Egal, ich glaube, es ist Zeit. Ich packe meine Sachen, sichere das Gewehr und klettere runter und laufe mit pochendem Herzen über die Wiese. Da liegt es, sieht tot aus. Ich traue der Sache aber noch nicht ganz. Ich berühre es vorsichtig. Es ist noch warm, doch das Auge sieht tot aus. Ich sehe dunkelrotes, fast schwarzes Blut hinter dem Kopf auf der Erde, doch komischerweise kein Einschussloch. Muss auf der anderen Seite sein und die Kugel nicht ausgetreten. Ich kann es immer noch nicht fassen, bin immer noch so angespannt am ganzen Leib. Wieso sieht es so unversehrt aus? Kann es vor Schreck gestorben sein? Nein, das ist dämlich, außerdem ist ja das Blut da. Möchte dem Reh noch die letzte Ehre erweisen und den letzten Bissen in den Äser stecken, doch nur Buchen weit und breit. Na dann wenigstens eine Schweigeminute…oder fünf. Ich gehe neben dem Reh in die Hocke und schau es mir an. Von der Statur ein Schmalreh, in schönem Sommerbraun, nur hier und da sind schon graue Flecken von der Winterdecke zu sehen. Es sieht wie ein gesundes Tier aus, ohne Wunden, gut genährt, nur eine Zecke an ihrem Bauch fällt mir auf. Ich atme tief durch, bin beruhigt, dass bisher alles glatt lief, das Reh im Schuss fiel, ich alles richtig gemacht habe. Ich schaue mich um, in den dämmrigen Abendhimmel. Es wird jetzt doch schnell dunkel und jetzt sind schon fast 30 Minuten vergangen seit dem Schuss. Mist, und ausgerechnet heute hab ich das Auto so weit weg geparkt! Wie mache ich das jetzt? Die Praktikalien der Stunde nehmen mich ein. Das Warten ist zu Ende und ich spüre den Druck, die nächsten Schritte gut hinzukriegen (das Stück schnell aufgebrochen zu bekommen, damit das Fleisch nicht verdirbt). Keine Zeit für mehr Besinnung oder Gewissensbisse. Nachher. Wieder tief durchatmen und sammeln und konzentrieren. Jetzt muss ich mich beeilen.

Ich ziehe das Reh an den Vorderläufen über die Wiese, der Kopf baumelt über den Boden, doch es geht jetzt nicht anders. Ich möchte nicht respektlos sein in meinem Umgang mit dem Tierkörper, doch es ist schwer und ich spüre das Gewicht in Händen und Armen, wechsle von rechts nach links nach ein paar Minuten. Ich ziehe es entlang dem Pirschpfad und zur Forststrasse und lege es dort am Wegesrand ab und laufe dann schnell, mit Kopflampe an – ein weißer Strahl vor mir auf dem Weg – durch den mittlerweile dunklen Wald zu meinem Auto, der fast volle Mond blitzt ab und zu über den Bäumen auf. Mir ist so heiß und ich schwitze so, das ist so anstrengend. Erst das Reh zur Strasse ziehen, jetzt schnell laufend, mir geht ganz schön die Puste. Ein Teil davon ist die Anspannung, das Adrenalin vielleicht. Am Auto angekommen versuche ich D. zu erreichen telefonisch, doch er nimmt nicht ab. Dann muss es ohne ihn gehen. Ich fahre also schnell zum Reh, brettere mit 40km/h über die Schotterpiste in der Dunkelheit. Wo war die Stelle noch mal? Es ist jetzt richtig dunkel schon und der Wald sieht überall gleich aus. Hier irgendwo müsste die Stelle doch sein. Ah, ja, ich glaube dort links ist der Pirschpfad. Ich halte an, steige aus, die Kopflampe immer noch an und das Reh taucht im Lichtschein auf. Ich hole die Wildwanne und lade es rein. Wie es so drin liegt, ist der Äser hinter dem Rücken halb verdeckt und es schaut mich so lieb von unten an. Zufall, aber so süß irgendwie. Schon komisch…wieder so ein Moment. Aber gut, keine Zeit, darf nicht zu spät aufbrechen. Die Arbeit ist noch nicht fertig.

Ich fahre also schnell aus dem Wald zur zentralen Aufbrechstelle, doch dort ist keiner, alles ist dunkel. Am Holzlagerplatz das gleiche, also fahre ich direkt zur Wildkammer. Dort sehe ich dann mehrere Autos stehen, das Tor ist hochgezogen und im Licht sehe ich schon mehrere Personen stehen. J. und die anderen begrüßen mich. J. hat ein Kitz zu versorgen, D. ist auch da und ich stelle meine Wildwanne mit dem Reh ab. „So, das ist es. Mein allererstes Stück!“ Ich höre mehrere „Waidmanns Heil“ aus der Runde, D. legt die Hand auf meinen Rücken und gratuliert mir. Doch im Moment bekomme ich kaum alles mit, nur das hier und dort Leute stehen, der Pickup hinter ihnen, die erleuchtete Wildkammer links neben mir, alles ohne Zusammenhang. Ich denke nur an das bevorstehende Aufbrechen und bekomme sonst wenig mit.  Ich lege das Reh in die Wildkammer und warte bis J. fertig ist. Ich bin immer noch nervös, hole meine Lampe, meine Einweghandschuhe, dann mein Messerschleifer, irgendwas hab ich immer vergessen und gehe hin und zurück zum Auto bis ich an der Reihe bin. D. möchte L. zeigen, wie das Aufbrechen geht und soll mir zuschauen. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich alles so hinkriege. Ist ja auch fast ein Jahr her. Ich versuche mich zu beruhigen und kann mich nur im letzten Moment, als ich mir das Reh schon auf dem Boden zurechtgelegt habe, daran erinnern, die Einweghandschuhe anzuziehen. Ich versuche meine Finger reinzukriegen, doch irgendwie klappt das alles nicht. Das Gummi klebt so zusammen, ich zupfe hier, zupfe da, bis ich meine Finger mehr schlecht als recht reingezwängt kriege und zu guter Letzt noch ein Stück vom Gummi abreiße. Und all das vor den Augen D.’s und L.’s! So sieht ein Profi nicht aus. Doch ok, einfach langsam, nicht so nervös, durchatmen, gut an alles erinnern.

Ich überwinde meine üblichen Bedenken, wenn ich den ersten Schnitt ansetze und lege los, komme eigentlich schnell in die manuelle Routine wieder rein. Ich schneide am Brustbeinansatz die Decke zur Kehle hin auf, lege den Schlund frei und schneide über dem Drosselknopf ab. Dann mit der Klinge am Brustbeinansatz rein in den Brustkorb (jetzt nur nicht den Pansen treffen) und den Brustkorb entlang der Rippenansätze öffnen. Aah, das Gefühl, wenn das Messer sich knirschend durch die Knorpel bricht. Ich werde es wohl nie mögen. Doch bisher geht alles wunderbar. D. und ich hängen das Stück dann an den Hinterläufen auf und ich ‚ringele‘ den Darmansatz am After (Waidloch) heraus. Auch das klappt ohne Problem diesmal – ein Wunder. Als nächstes dann schneide ich vorsichtig die Bauchdecke auf, ganz vorsichtig durch die Haut, durch die Muskeln, bis ich meine beiden Finger durch das Loch stecken kann, um die Messerspitze zwischen ihnen nach unten zu führen und die Bauchdecke aufzuschneiden.  Zwischen durch pausieren wir immer kurz, um die einzelnen Organe rauszuholen und zu prüfen und L. zu zeigen, worauf man achten muss. Nieren, Leber und Herz packe ich mir ein für zuhause. Glücklicherweise lässt sich alles mühelos rauslösen, nur ganz unten bleibt der Pansen an einer vom Schuss gebrochenen Rippe wohl hängen und es kommt Panseninhalt auf die zerschossenen Keulen. D. schaut sie sich genau an und meint, die könne man sowieso nicht mehr gebrauchen in ihrem Zustand. Also schneiden wir die komplette untere Hälfte, von den zerschossenen Blättern bis zum Kopf, mit der Astschere ab und es bleibt ein halbes Reh übrig – sieht nicht mehr ganz so schön aus, finde ich. Aber ich bin froh wenigstens zwei Keulen und den Rücken zu haben. Lieber zerschieße ich die Blätter als riskanter zu schießen. In der Wildwanne darunter liegen nun Kopf und der Rest des Aufbruchs, in einer Lache von Blut (das meiste jedoch schon von J.’s Kitz).

Wir waschen und wiegen noch das Stück – 7 Kilo sind übrig geblieben – und hängen es mit Wildmarke in die Kühlkammer. Auf dem Boden, an den Wänden, an der Kühlkammertür, überall sind Blutspritzer, Blutflecke, schleimige Reste von den herausgeschnittenen Blutergüssen, Fetzen von Fett und anderem undefinierbaren Dingen. Wir brausen alles ab, fegen alles zusammen, reinigen die Messer und die Astschere, waschen unsere blutigen Hände – meine Einweghandschuhe sind mittlerweile noch mehr aufgerissen – und als letztes fülle ich noch den Wildschein aus, nr.462, Erleger: Thorsten Gieser.

D. hat die Wildwanne währenddessen schon in sein Auto gebracht und wird den Inhalt im Wald entsorgen. Wir machen das Licht aus (die anderen waren schon längst gegangen ohne dass ich es mitbekommen hatte) und schließen ab. Im Dunkeln verabschieden wir uns. Am Sonntag will ich mich mit D. zum Zerwirken treffen und ich bestehe darauf, ihm eine Keule zu schenken. Daraufhin steigen wir in unsere Autos und fahren zurück. Auf der Rückfahrt kann ich immer noch nicht denken. Bin nur froh, dass jetzt wirklich alles erledigt ist und alles wunderbar gelaufen ist, ohne jede Probleme. Angespannt bin ich trotzdem noch. Mittlerweile geradezu verspannt, der ganze Rücken schmerzt.

Zuhause angekommen lade ich mein Rucksack erst einmal in der Wohnung ab. K. fragt, ob ich diesmal Erfolg hatte. Ich halte nur den Gefrierbeutel mit den Organen hoch. Ich gehe dann gleich in den Keller, um die Waffe in den Waffenschrank zu tun. Vorher ziehe ich noch drei Baumwollpfropfen durch den Lauf zum Reinigen und öle ihn anschließend bevor ich die Waffe in den Schrank stelle. Gut, das auch erledigt. Ich glaube, jetzt habe ich wirklich alles!

Am nächsten Morgen denke ich, komisch, dieses Gefühl, dass die Schützen immer in den Jagdfilmen haben, dieses Lösen der Spannung und das freudestrahlende Lächeln als der Schuss sicher ins Ziel gegangen ist, das hatte ich nicht. Ich blieb angespannt und verspannt. Die Routinehandlungen – das, was gemacht werden muss – stand im Vordergrund und hat mich angeleitet…insbesondere auch dann, wenn ich vielleicht zum Reflektieren anhalten wollte, doch dann immer wieder von den nächsten Schritten gefordert wurde, weiterzumachen. Aber ganz egal, ich habe endlich Fleisch im Gefrierfach und kann mich nun guten Gewissens Jäger nennen…

 

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