Eine Unruhe im Gewissen angesichts des Todes II

GERMAN/ENGLISH

Auf den Seiten seines Buches sehen wir, daß Graf Yebes mehr als einmal, mit einem wunderbaren Stück Wild im Schußfeld, zögert abzudrücken. Der Gedanke, daß jenes so anmutige Leben ausgelöscht werden soll, kommt für einen Augenblick über ihn. Zum guten Jäger gehört eine Unruhe im Gewissen angesichts des Todes, den er dem bezaubernden Tier bringt.

Was der Philosoph Ortega y Gasset hier in seinen ‚Meditationen über die Jagd‘ ([1944] 1985) schlussfolgert ist Ausgangspunkt für die folgende Beschreibung meiner eigenen Erfahrungen auf dem Weg zum ersten Schuss. Obwohl diese Erfahrungen einmalige Ereignisse darstellen und den individuellen Charakter meiner eigenen Einstellungen tragen, kann man in ihnen auch Themen erkennen, die die meisten Jäger betreffen. Denn die Erfahrungen sind geprägt durch den Rahmen der kulturell akzeptierten ‚waidgerechten‘ Jagdpraktiken, in denen sie entstanden sind.

September 2016. Gestern half ich noch bei den Drückjagdvorbereitungen im Winninger Hinterwald. Nachdem wir mehrere Bäume gefällt und andere Bäume entastet hatten, setzten J., V. und ich uns erschöpft hin und die beiden unterhielten sich über den Gemeinschaftsansitz morgen. „Du kommst auch?“ – Ich: „Mmmh. Ja, klar“. Doch wie immer, war mir Bange und ich wünschte mir, ich hätte eine Ausrede gehabt. Doch das kann ja nicht ewig so gehen. Irgendwann muss ich da durch und es muss passieren.

Heute ist es also soweit, das erste Mal Jagen seit über 2 Wochen, das erste Mal nun nach dem 1.9., Jetzt sind neben Rehböcken und Schmalrehen (einjährige, weibliche Tiere) auch die Ricken (erwachsene, weibliche Tiere) freigegeben. Morgens gehe ich trainieren. Mittags und nachmittags faulenze ich rum (habe ja Urlaub). Liege im Deck Chair auf dem Balkon, döse vor mich hin, surfe wahllos im Internet, und überlege mir kurz noch, ob ich nicht doch eine Ausrede finden könnte… Doch ich überwinde mich, nehme mir den Tag aber nichts mehr vor. Ich will mich konzentrieren auf die Jagd. Und daher gehe ich schon früher hin. Um 16.30 bereite ich mich vor, esse schon mal mein Abendbrot, ziehe mich um, packe meine Sachen in den Rucksack und mache mich fertig. Kurz vor 17.00 gehe ich dann schon, hole Waffe und Munition aus dem Keller und fahre los, obwohl erst um 18.00 Treffpunkt ist.

Es ist heiß, wohl immer noch 30 Grad, und ich komme eine Viertelstunde später schon als Erster am Holzlagerplatz an. Ich setze mich auf einen Baumstamm, der neben im Gras liegt, genieße die schöne Waldluft und das leicht kühlere Klima hier oben und versuche mich auf die Jagd einzustimmen bis die anderen kommen. Eine halbe Stunde später dann taucht als erstes J., dann kurz danach V. auf und setzen sich zu mir auf den Stamm. Nach und nach trudeln noch ca. 10 weitere Jäger ein, sogar D. kommt, mit einer Praktikantin L. von der Uni im Schlepptau. Um kurz nach 18.00 dann geht die Verteilung los und die Jäger machen sich auf zu ihren Ansitzen. J. fragt mich, wo ich hin will und ich meine, entweder zur ersten Leiter, die wir gestern aufgestellt haben oder zur ehemaligen Kirrung von H.. Er lässt mir die Wahl und ich entscheide mich für die Kirrung. Wir wünschen uns noch alle Waidmanns Heil und dann fahre ich auch schon los.

Ich stelle meinen Lada am Feldrand ab, da ich mal probieren möchte, ob es einen Unterschied macht, wenn ich zu nah mit dem Auto an den Ansitz fahre und die Autotür zumache, was irgendwie nicht ohne viel Lärm geht. Also stelle ich ca. 1 km entfernt vom Ansitz das Auto ab und laufe rein in den Wald. Der Weg zur Kirrung ist schon voller trockener Blätter und ich habe nicht den Eindruck besonders leise zu sein, also mache ich schnell und klettere den Ansitz hoch und setze mich in die geschlossene Kanzel an der ehemaligen Kirrung – jetzt nur ein Wildacker (der anscheinend frisch gemäht wurde vor kurzem), von dem ich schon von J. und V. Berichte bekam, dass da immer was los wäre. Schauen wir mal.

Ich teste meine Waffe, stelle Vergrößerung ein, geladen hatte ich sie schon am Auto, lege sie probehalber auf dem Fensterrahmen auf und schaue mir die Wiese genau an. Da ist eine Salzlecke am linken oberen Rand, ganz links war die Kirrung (ein Mahlbaum ist noch zu sehen), rechts ging es runter zu Sauenschlafplätzen, ein zwei Löcher im Gebüsch sind auch zu sehen, vielleicht Wechsel auf die Wiese. Ich sitze also und warte, schaue aufmerksam auf die Wiese, vor allem in Richtung Salzlecke, ab und zu auch immer wieder hinter mich in den Wald hinein, von wo ich immer wieder Geräusche höre (wahrscheinlich Vögel in den Blättern und Bucheckern, die auf den Waldboden fallen). Die Zeit vergeht, mein Rücken ist leicht verspannt, ich versuche meine Sitzposition immer wieder zu wechseln, mich mal abzustützen, drehe mich hierhin, dorthin und ein Teil von mir glaubt schon nicht mehr daran (hofft?), dass nichts mehr kommt. Und dann sind da natürlich noch die nervigen Schnaken, die mich stechen wollen, oder auch die ein oder andere Wespe, die laut in und um die Kanzel herumschwirrt. Ansonsten schaue ich immer noch aufmerksam weiter und lausche in den Wald hinter mir.

Nach ca. 1,5 Stunden dann, so kurz vor 20.00 Uhr, höre ich dann mehrere lautere Geräusche von vorne, am hinteren Ende der Wiese. Ich denke mir, das könnte Wild sein, auf der anderen Seite ist es recht laut und unvorsichtig, vielleicht doch nichts. Doch dann plötzlich eine Bewegung am rechten hinteren Ende. Da steht was, ein Reh. Meine Routine beginnt.  Ich greife vorsichtig nach meinem Gehörschutz, ziehe ihn auf und beobachte währenddessen weiter. Jetzt wird es doch ernst, denke ich mir. Ich werde nervös, merke meine angespannte Atmung. Ich nehme die Büchse und lege sie leise auf, schaue durch das Glas. Kein Bock, ein Reh, ein Schmalreh vielleicht, sieht zumindest eher schmal aus, außerdem geht es etwas zu fahrlässig auf der Wiese. Ich schalte den Leuchtpunkt an und folge dem Reh. Es steht frontal zu mir gewandt und äst, muss abwarten und mein Herz beginnt zu rasen. Ich kann das nicht, schießt es durch meinen Kopf während der Leuchtpunkt noch recht wacklig dem Rehkörper folgt. Das kann ich doch nicht bringen. Ich bin zu weich für so was. Das Reh dreht seine Seite zu mir. Steht es gut so? wie es soll? Ich kann es nicht richtig sehen, es dämmert schon und ich traue meinen Augen nicht ganz, folge dem Reh aber weiter mit heftig schlagendem Herz. Es äst unbekümmert vor sich hin und steht wieder breit. Der Leuchtpunkt wandert minimal auf dem Torso und mein Finger ist nahe am Abzug. Aber ich kann das doch nicht. Nur eine kleine Fingerbewegung, dann würde ich…oder…in einem Bruchteil einer Sekunde entscheide ich mich, ich sehe nur den Leuchtpunkt auf dem Schulterblatt, das helle Mündungsfeuer und es knallt und ich erschrecke mich – von dem Knall oder meiner plötzlichen Entscheidung weiß ich nicht.

Ich vergesse ganz ‚durch das Feuer‘ zu sehen, suche also nach meinem kurzen Schreck schnell das Reh. Es liegt, im Schuss, zappelt wild mit den Beinen. Ich hab es getroffen, war mir erst nicht sicher. Hab ich es tödlich getroffen? Ich lade nach, bereit für einen zweiten Schuss. Das zappeln hört auf, es zuckt noch…dann keine Bewegung mehr. Gut, abwarten, eine Viertelstunde. Ich ziehe den Gehörschutz ab, atme durch, spüre die Anspannung in meinem Körper. Die ging nicht weg mit dem Schuss, ist noch da, ganz deutlich. Nur der unmittelbare Handlungsdruck ist weg, jetzt ist erst einmal abwarten angesagt, also wieder durchatmen und mit dem Fernglas beobachten. Es liegt still, keine Bewegung. Simuliert es nur? Glaube nicht. Wenn es nicht gleich tot war, wird es jetzt wohl gerade verbluten, also warten, nicht dass ich hingehe und es schreckt auf und kann noch flüchten (so wie letztes Jahr der Bock, den D. geschossen hatte). Ich kann noch gar nicht glauben, was passiert ist. Bin noch zu involviert, drin in der Handlung als dass ich jetzt schon darüber reflektieren könnte. Muss ganz bei der Sache sein, möchte ja keinen Fehler machen. Es ist nicht noch nicht vorbei.

Sind es schon 15 Minuten, oder nur 10? Egal, ich glaube, es ist Zeit. Ich packe meine Sachen, sichere das Gewehr und klettere runter und laufe mit pochendem Herzen über die Wiese. Da liegt es, sieht tot aus. Ich traue der Sache aber noch nicht ganz. Ich berühre es vorsichtig. Es ist noch warm, doch das Auge sieht tot aus. Ich sehe dunkelrotes, fast schwarzes Blut hinter dem Kopf auf der Erde, doch komischerweise kein Einschussloch. Muss auf der anderen Seite sein und die Kugel nicht ausgetreten. Ich kann es immer noch nicht fassen, bin immer noch so angespannt am ganzen Leib. Wieso sieht es so unversehrt aus? Kann es vor Schreck gestorben sein? Nein, das ist dämlich, außerdem ist ja das Blut da. Möchte dem Reh noch die letzte Ehre erweisen und den letzten Bissen in den Äser stecken, doch nur Buchen weit und breit. Na dann wenigstens eine Schweigeminute…oder fünf. Ich gehe neben dem Reh in die Hocke und schau es mir an. Von der Statur ein Schmalreh, in schönem Sommerbraun, nur hier und da sind schon graue Flecken von der Winterdecke zu sehen. Es sieht wie ein gesundes Tier aus, ohne Wunden, gut genährt, nur eine Zecke an ihrem Bauch fällt mir auf. Ich atme tief durch, bin beruhigt, dass bisher alles glatt lief, das Reh im Schuss fiel, ich alles richtig gemacht habe. Ich schaue mich um, in den dämmrigen Abendhimmel. Es wird jetzt doch schnell dunkel und jetzt sind schon fast 30 Minuten vergangen seit dem Schuss. Mist, und ausgerechnet heute hab ich das Auto so weit weg geparkt! Wie mache ich das jetzt? Die Praktikalien der Stunde nehmen mich ein. Das Warten ist zu Ende und ich spüre den Druck, die nächsten Schritte gut hinzukriegen (das Stück schnell aufgebrochen zu bekommen, damit das Fleisch nicht verdirbt). Keine Zeit für mehr Besinnung oder Gewissensbisse. Nachher. Wieder tief durchatmen und sammeln und konzentrieren. Jetzt muss ich mich beeilen.

Ich ziehe das Reh an den Vorderläufen über die Wiese, der Kopf baumelt über den Boden, doch es geht jetzt nicht anders. Ich möchte nicht respektlos sein in meinem Umgang mit dem Tierkörper, doch es ist schwer und ich spüre das Gewicht in Händen und Armen, wechsle von rechts nach links nach ein paar Minuten. Ich ziehe es entlang dem Pirschpfad und zur Forststrasse und lege es dort am Wegesrand ab und laufe dann schnell, mit Kopflampe an – ein weißer Strahl vor mir auf dem Weg – durch den mittlerweile dunklen Wald zu meinem Auto, der fast volle Mond blitzt ab und zu über den Bäumen auf. Mir ist so heiß und ich schwitze so, das ist so anstrengend. Erst das Reh zur Strasse ziehen, jetzt schnell laufend, mir geht ganz schön die Puste. Ein Teil davon ist die Anspannung, das Adrenalin vielleicht. Am Auto angekommen versuche ich D. zu erreichen telefonisch, doch er nimmt nicht ab. Dann muss es ohne ihn gehen. Ich fahre also schnell zum Reh, brettere mit 40km/h über die Schotterpiste in der Dunkelheit. Wo war die Stelle noch mal? Es ist jetzt richtig dunkel schon und der Wald sieht überall gleich aus. Hier irgendwo müsste die Stelle doch sein. Ah, ja, ich glaube dort links ist der Pirschpfad. Ich halte an, steige aus, die Kopflampe immer noch an und das Reh taucht im Lichtschein auf. Ich hole die Wildwanne und lade es rein. Wie es so drin liegt, ist der Äser hinter dem Rücken halb verdeckt und es schaut mich so lieb von unten an. Zufall, aber so süß irgendwie. Schon komisch…wieder so ein Moment. Aber gut, keine Zeit, darf nicht zu spät aufbrechen. Die Arbeit ist noch nicht fertig.

Ich fahre also schnell aus dem Wald zur zentralen Aufbrechstelle, doch dort ist keiner, alles ist dunkel. Am Holzlagerplatz das gleiche, also fahre ich direkt zur Wildkammer. Dort sehe ich dann mehrere Autos stehen, das Tor ist hochgezogen und im Licht sehe ich schon mehrere Personen stehen. J. und die anderen begrüßen mich. J. hat ein Kitz zu versorgen, D. ist auch da und ich stelle meine Wildwanne mit dem Reh ab. „So, das ist es. Mein allererstes Stück!“ Ich höre mehrere „Waidmanns Heil“ aus der Runde, D. legt die Hand auf meinen Rücken und gratuliert mir. Doch im Moment bekomme ich kaum alles mit, nur das hier und dort Leute stehen, der Pickup hinter ihnen, die erleuchtete Wildkammer links neben mir, alles ohne Zusammenhang. Ich denke nur an das bevorstehende Aufbrechen und bekomme sonst wenig mit.  Ich lege das Reh in die Wildkammer und warte bis J. fertig ist. Ich bin immer noch nervös, hole meine Lampe, meine Einweghandschuhe, dann mein Messerschleifer, irgendwas hab ich immer vergessen und gehe hin und zurück zum Auto bis ich an der Reihe bin. D. möchte L. zeigen, wie das Aufbrechen geht und soll mir zuschauen. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich alles so hinkriege. Ist ja auch fast ein Jahr her. Ich versuche mich zu beruhigen und kann mich nur im letzten Moment, als ich mir das Reh schon auf dem Boden zurechtgelegt habe, daran erinnern, die Einweghandschuhe anzuziehen. Ich versuche meine Finger reinzukriegen, doch irgendwie klappt das alles nicht. Das Gummi klebt so zusammen, ich zupfe hier, zupfe da, bis ich meine Finger mehr schlecht als recht reingezwängt kriege und zu guter Letzt noch ein Stück vom Gummi abreiße. Und all das vor den Augen D.’s und L.’s! So sieht ein Profi nicht aus. Doch ok, einfach langsam, nicht so nervös, durchatmen, gut an alles erinnern.

Ich überwinde meine üblichen Bedenken, wenn ich den ersten Schnitt ansetze und lege los, komme eigentlich schnell in die manuelle Routine wieder rein. Ich schneide am Brustbeinansatz die Decke zur Kehle hin auf, lege den Schlund frei und schneide über dem Drosselknopf ab. Dann mit der Klinge am Brustbeinansatz rein in den Brustkorb (jetzt nur nicht den Pansen treffen) und den Brustkorb entlang der Rippenansätze öffnen. Aah, das Gefühl, wenn das Messer sich knirschend durch die Knorpel bricht. Ich werde es wohl nie mögen. Doch bisher geht alles wunderbar. D. und ich hängen das Stück dann an den Hinterläufen auf und ich ‚ringele‘ den Darmansatz am After (Waidloch) heraus. Auch das klappt ohne Problem diesmal – ein Wunder. Als nächstes dann schneide ich vorsichtig die Bauchdecke auf, ganz vorsichtig durch die Haut, durch die Muskeln, bis ich meine beiden Finger durch das Loch stecken kann, um die Messerspitze zwischen ihnen nach unten zu führen und die Bauchdecke aufzuschneiden.  Zwischen durch pausieren wir immer kurz, um die einzelnen Organe rauszuholen und zu prüfen und L. zu zeigen, worauf man achten muss. Nieren, Leber und Herz packe ich mir ein für zuhause. Glücklicherweise lässt sich alles mühelos rauslösen, nur ganz unten bleibt der Pansen an einer vom Schuss gebrochenen Rippe wohl hängen und es kommt Panseninhalt auf die zerschossenen Keulen. D. schaut sie sich genau an und meint, die könne man sowieso nicht mehr gebrauchen in ihrem Zustand. Also schneiden wir die komplette untere Hälfte, von den zerschossenen Blättern bis zum Kopf, mit der Astschere ab und es bleibt ein halbes Reh übrig – sieht nicht mehr ganz so schön aus, finde ich. Aber ich bin froh wenigstens zwei Keulen und den Rücken zu haben. Lieber zerschieße ich die Blätter als riskanter zu schießen. In der Wildwanne darunter liegen nun Kopf und der Rest des Aufbruchs, in einer Lache von Blut (das meiste jedoch schon von J.’s Kitz).

Wir waschen und wiegen noch das Stück – 7 Kilo sind übrig geblieben – und hängen es mit Wildmarke in die Kühlkammer. Auf dem Boden, an den Wänden, an der Kühlkammertür, überall sind Blutspritzer, Blutflecke, schleimige Reste von den herausgeschnittenen Blutergüssen, Fetzen von Fett und anderem undefinierbaren Dingen. Wir brausen alles ab, fegen alles zusammen, reinigen die Messer und die Astschere, waschen unsere blutigen Hände – meine Einweghandschuhe sind mittlerweile noch mehr aufgerissen – und als letztes fülle ich noch den Wildschein aus, nr.462, Erleger: Thorsten Gieser.

D. hat die Wildwanne währenddessen schon in sein Auto gebracht und wird den Inhalt im Wald entsorgen. Wir machen das Licht aus (die anderen waren schon längst gegangen ohne dass ich es mitbekommen hatte) und schließen ab. Im Dunkeln verabschieden wir uns. Am Sonntag will ich mich mit D. zum Zerwirken treffen und ich bestehe darauf, ihm eine Keule zu schenken. Daraufhin steigen wir in unsere Autos und fahren zurück. Auf der Rückfahrt kann ich immer noch nicht denken. Bin nur froh, dass jetzt wirklich alles erledigt ist und alles wunderbar gelaufen ist, ohne jede Probleme. Angespannt bin ich trotzdem noch. Mittlerweile geradezu verspannt, der ganze Rücken schmerzt.

Zuhause angekommen lade ich mein Rucksack erst einmal in der Wohnung ab. K. fragt, ob ich diesmal Erfolg hatte. Ich halte nur den Gefrierbeutel mit den Organen hoch. Ich gehe dann gleich in den Keller, um die Waffe in den Waffenschrank zu tun. Vorher ziehe ich noch drei Baumwollpfropfen durch den Lauf zum Reinigen und öle ihn anschließend bevor ich die Waffe in den Schrank stelle. Gut, das auch erledigt. Ich glaube, jetzt habe ich wirklich alles!

Am nächsten Morgen denke ich, komisch, dieses Gefühl, dass die Schützen immer in den Jagdfilmen haben, dieses Lösen der Spannung und das freudestrahlende Lächeln als der Schuss sicher ins Ziel gegangen ist, das hatte ich nicht. Ich blieb angespannt und verspannt. Die Routinehandlungen – das, was gemacht werden muss – stand im Vordergrund und hat mich angeleitet…insbesondere auch dann, wenn ich vielleicht zum Reflektieren anhalten wollte, doch dann immer wieder von den nächsten Schritten gefordert wurde, weiterzumachen. Aber ganz egal, ich habe endlich Fleisch im Gefrierfach und kann mich nun guten Gewissens Jäger nennen…


Yesterday I helped with the preparations for the pressure hunt in the Winninger Hinterwald. After felling several trees and delimbing other trees, J., V. and I sat down exhausted and the two of them talked about the hunt tomorrow. „You’re coming too?“ I:“Mmmh. Yeah, sure „. But as always, I was apprehensive and I wish I had had an excuse. But that can’t go on forever. At some point I have to go through with this and it has to happen.

Today I go hunting for the first time since 1th of September. Now the Ricken (adult, female animals) are open for hunting beside roebuck and Schmalrehe (annual, female animals). In the morning I’m going to work out in the gym. At noon and in the afternoon I idle around (I have holidays). Lying in the deck chair on the balcony, dozing off, surf the internet at random, and think about whether I could find an excuse… But I overcome myself, but decide not to do anything else today. I want to concentrate on hunting. And that’s why I’m going earlier. At 4.30 p. m. I prepare myself, eat my supper, change my clothes, pack my stuff into my backpack and get ready. Shortly before 5.00 p. m. I’ll go to pick up the gun and ammunition from the basement and drive off, even though the meeting is at 6.00 p. m..

It’s hot, probably still 30 degrees Celsius, and a quarter of an hour later I’m the first to arrive at the wood yard. I sit down on a tree trunk lying next to the grass, enjoy the beautiful forest air and the slightly cooler climate up here and try to tune in to the hunt until the others arrive. Half an hour later then first J. appears, then shortly afterwards V. and they sit down with me on the trunk. Little by little about 10 more hunters are coming in, even D. arrives with an intern L. from the university in tow. Shortly after 6 p. m. the distribution starts and the hunters set off for their hides. J. asks me where I want to go and I say, either to the first ladder we put up yesterday or to the former Kirrung of H… He’s giving me a choice, and I’m choosing the Kirrung. We all wish each other ‚Waidmanns Heil‘ and then I’m leaving.

I park my Lada at the edge of the field, as I want to check if it makes a difference if I drive too close to the raised hide and close the car door, which somehow doesn’t work without a lot of noise. So I park the car about 1 km away from the hide and walk into the forest. The way to the Kirrung is already full of dry leaves and I don’t have the impression to be particularly quiet, so I go quickly and climb up the raised hide and sit down with a view on the clearing (who was recently mowed apparently freshly) from which I already got reports from J. and V. that there was always something going on. Let’s have a look.

I test my weapon, adjust the magnification (I had loaded it in my car already), put it down on the window frame and take a close look at the meadow. There’s a salt lick at the upper left edge, the Kirrung was on the far left (you can also see the Mahlbaum where the sows scratch themselves), on the right side it went down to where the sows often sleep, two holes in the bushes are also visible, maybe a trail to the meadow. So I sit and wait, observe the meadow carefully, especially in the direction of the salt lick, now and then I also look behind me into the forest, from where I hear sounds again and again (probably birds in the leaves and beechnuts falling on the forest floor). The time passes, my back is a little tense, I try to change my sitting position again and again, I try to support myself, turn myself here and there and some part of me doesn’t believe (hopes?) that anything will come. And then there are the irritating gnats who want to sting me, of course, or the one or other wasp who buzzes loudly in and around the hide. Apart from that, I still observe carefully and listen into the forest behind me.

After about 1.5 hours, shortly before 8 pm, I hear several noises from the front, at the end of the meadow. I think it could be wild game, but on the other hand it is quite loud, maybe it’s nothing. But then, suddenly, a movement at the right rear corner. There’s something there, a deer. My routine begins. I grab my hearing protection gently, put it on and continue to watch while I listen. It’s getting serious now, I guess. I get nervous, notice my tense breathing. I take the rifle and put it qietly down onto the window frame and look through the glass. Not a buck, a roe deer, a Schmalreh maybe, at least it looks rather slender. Besides, she behaves somewhat too careless. I turn on the red glowing aim point of my scope and follow the deer. It stands frontal to me and feeds. My heart begins to race. I can’t do that, it shoots through my head while the aim point still follows the roe deer body shakily. I can’t do that. I’m too soft-hearted for that. The deer turns its side to me. Is it standing alright? As it should? I can’t see it properly, it is already dawning and I don’t trust my eyes completely, but I follow the deer with a beating heart. It feeds carelessly and stands wide again. The glowing red dot moves slightly on the torso and my finger is close to the trigger. But I can’t do that. Only a small finger movement, then I would… or… or… in a fraction of a second I decide, I only see the red dot on the shoulder blade, the bright muzzle flash and it explodes and I startle myself – I don’t know whether because of the blast or my sudden decision.

I forget to see‘ through the fire‘, so after my moment of shock I look for the deer. It fell, in the shot, and briefly wriggles wildly with its legs. I hit it, although I wasn’t sure at first. Did I hit it deadly? Reloading, ready for a second round. The twitching stops, it still twitches… then no more movement. All right, wait a quarter of an hour. I take off my hearing protection, breathe deeply, feel the tension in my body. That didn’t go away with the shot, is still there, quite clearly. Only the immediate pressure to act is gone, now it’s time to wait and see, so breathe again and observe with the binoculars. It’s still, doesn’t move. Does it just simulate? I don’t think so. If it wasn’t dead right away, it’s going to bleed out right now, so there is no need for me to go there and scare it up and run away (just like the goat D. shot last year). I can’t even believe what happened. I’m still too involved in the plot to think about it right now. I need to be concentrated, I don’t want to make a mistake. It’s not over yet.

Has it been 15 minutes or only 10? Anyway, I think it’s time. I pack my things, secure the rifle and climb down and run over the meadow with my heart pounding. There it is, looks dead. I don’t quite trust it yet. I touch it carefully. It’s still warm, but the eye looks dead. I see dark red, almost black blood behind her head on the ground, but strangely enough no bullet hole. Must be on the other side and the bullet didn’t come out. I still can’t believe it, I’m still so tense all over my body. Why does it look so unharmed? Could it have died of fright? No, that’s stupid. Besides, the blood is there. I would like to pay my last respects to the roe deer and put the last bite in his mouth, but only beeches far and wide. Well, at least a minute’s silence… or five. I’ll squat beside the deer and look at it. From her stature a Schmalreh, in beautiful summer brown, only here and there you can see grey spots from the winter cover. It looks like a healthy animal, without wounds, well nourished, only a tick on her stomach strikes me. I breathe deeply, I am reassured by the fact that so far everything went smoothly, the deer fell in the shot, I did everything right. I look around in the dusky evening sky. It’s getting dark quickly and almost 30 minutes have passed since the shot. Damn, and it’s just today that I parked the car so far away! How do I do that now? The waiting is over and I feel the pressure to get the next steps done well (to field dress the animal quickly so that the meat doesn’t spoil). No time for more reflection or remorse. Afterwards there will be time for that. Take a deep breath again and collect yourself and concentrate. Now I must hurry.

I pull the deer on the front legs across the meadow, her head dangles over the ground, but there is no other way. I don’t want to be disrespectful in my dealings with the dead animal, but it is difficult and I feel the weight in my hands and arms, change from right to left hand after a few minutes. I pull it along the path and to the forest road and put it down there at the edge of the path and then run quickly, with a headlamp – a white beam in front of me on the way – through the now dark forest to my car, the full moon flashes up from time to time over the trees. I’m so hot and I sweat so much, it’s so exhausting. First I pulled the deer to the road, now I had to run fast, I’m pretty much out of breath. Part of it is the tension, the adrenaline maybe. Arriving at the car I try to reach D. by phone, but he doesn’t answer. Then it has to go without him. So I drive quickly to the deer, with 40km/h over the gravel road in the darkness. Where was that spot again? It’s already dark now and the forest looks the same everywhere. The spot has to be around here somewhere. Ah, yeah, I think that’s the Stalking Trail on the left. I stop, get out, the headlight is still on and the deer appears in the light. I’ll get the tub and load it in. As it lies in it, the face half covered in the fold between her body and front leg, it looks at me so lovely from below. Just a coincidence, but so sweet somehow. It’s weird… another moment like this. But well, no time, have to do the field dressing. The work isn’t finished yet.

So I drive quickly out of the forest to our meeting point, but no oneis there, everything is dark. Same at the wood yard, so I drive directly to the game chamber. I see several cars standing there, the gate has been pulled up and I can already see several people standing in the light. J. and the others greet me. J. has a fawn to field dress. D. is also there and I put down my wild bathtub with the deer. „Well, that’s it. My very first one!“ I hear several „Waidmanns Heil“ from the group. D. puts his hand on my back and congratulates me. But at the moment I notice hardly anything, only that there are people standing here and there, the pickup behind them, the enlightened wild chamber to the left of me, everything without context. I just think of the field dressing and I don’t notice much else. I put the deer in the game chamber and wait until J. is finished. I’m still nervous, get my lamp, my disposable gloves, then my knife grinder. I always forgot something and go back and forth to the car until it’s my turn. D. wants to show L. how to field dress and tells her to watch me. I don’t even know if I can do it at this moment. It’s been almost a year since I last field dressed. I try to calm down, suddenly remember to put on disposable gloves when I had laid the deer on the ground. I try to get my fingers in the gloves, but somehow it doesn’t work. The rubber sticks together so tightly, I pluck here, pluck there, until I tear off a piece of the rubber. And all this in front of D’s and L’s eyes! A professional doesn’t look like that. But ok, just do it slowly, not so nervously, breathe deeply, remember everything well.

I overcome my usual misgivings. When I start the first cut, I quickly get back into the manual routine. I cut open the torso at the base of the sternum towards the throat, open the throat and cut off over the throttle button. Then, with the blade at the sternum beginning cleanly into the ribcage (do not hit the rumen now!) and open the ribcage along the ribs. Aah, the feeling when the knife crunches through the cartilage. I’ll probably never like it. But so far everything has been going great. D. and I then hang the animal on the hind legs and I‘ ring out‘ the intestinal base at the anus. This time it works without any problems – a miracle. Next, I carefully cut open the abdominal wall, very carefully through the skin, through the muscles, until I can put my two fingers through the hole to guide the knife tip down between them and cut open the abdominal wall. We always pause briefly to get out and check the individual organs and show L. what to look out for. I’m packing my kidneys, liver and heart for home. Luckily, everything can be removed effortlessly, only at the very bottom the rumen gets stuck on a broken rib and the content spills on the shattered clubs. D. looks closely at them and thinks that they are useless in their condition anyway. So we cut off the complete lower half, from the shattered clubs to the head, with the lopping shears and half a deer remains – doesn’t look quite so good anymore, I think. But I’m glad to have at least two clubs and the back. I’d rather shoot into the clubs than take a more risky shot. In the tub underneath there lies a head now and the rest of the organs, in a pool of blood (but most of it already from J.’s fawn).

We wash and weigh the remaining carcass – 7 kilos are left – and hang it in the refrigeration chamber with a game tag. On the floor, on the walls, on the door, everywhere there are blood splatters, blood stains, slimy remains of the blood bruises cut out, shreds of fat and other indefinable things. We rinse everything, sweep it all together, clean the knives and the lopping shears, wash our bloody hands – my disposable gloves are now even more torn open – and last but not least I fill in the form for the forestry office, no. 462, hunter: Thorsten Gieser.

D. has already taken the tub with the remains into his car and will dispose of it in the forest. We turn off the light (the others had already gone long ago without me noticing) and lock the door. We say goodbye in the dark. On Sunday I want to meet with D. for a meeting and I insist on giving him a leg. Then we get into our cars and drive back. I still can’t think on the way back. I’m just glad that everything is done now and everything went great, without any problems. I’m still tense, though, so tense my whole back aches.

Back home I unload my backpack in my apartment. K. asks if I was successful this time. I’m just holding up the freezer bag with the organs. I go down to the basement and put the gun in the gun cabinet. All right, that’s it. I think I have everything now!

The next morning I think, funny, this feeling that the hunters always have in the hunting movies, this release of suspense and the beaming smile when the shot hits. I did not have that. I remained tense. Routine procedures – what needed to be done – were in the foreground and guided me…. especially when I wanted to stop and reflect, but then I was repeatedly driven by the next steps in the routine. But it doesn’t matter, I finally have meat in the freezer and I feel can now call myself a real hunter….